2018!

Frohes neues Jahr, liebe Leser!

Manchmal hat man das Gefühl, jemand dreht an den Reglern für die Konstanten des Universums herum: Plötzlich ist wieder ein Jahr herum und wir schreiben 2018, ein Datum, das manche Zukunftsvision hinter sich gelassen hat.

Seit ich 2011 mein erstes eBook veröffentlicht habe, ist viel geschehen. Die Welt verändert sich immer rascher, man hat Schwierigkeiten, da mitzuhalten. Als SF-Autor interessiere ich mich für die Zukunft, für den (technischen) Fortschritt, vor allem für die Gesellschaft, ihren Umgang mit diesen neuesten Entwicklungen.
Künstliche Intelligenz ist eine Entwicklung, die in den letzten Jahren einen anderen Weg gegangen ist, als erwartet wurde. Skynet (Terminator) hat nicht die Welt übernommen, Computer reden zwar mit uns (Alexa, Siri u. a.) und erhalten Bürgerrechte (Sophia in Saudi Arabien), doch ansonsten scheint der Einsatz von KIs auf die – wie sollte es anders sein? – Gewinnmaximierung begrenzt zu sein.
KI-Algorithmen dringen in unseren Alltag vor, ein »Siegeszug«, der nicht mehr aufzuhalten ist. Doch von einem eigenständigen Bewusstsein dieser Algorithmen ist man noch sehr weit entfernt, was viele Menschen erleichtern dürfte. Umdenken ist erforderlich, wenn man den Begriff KI im Alltag benutzt, denn mit der einstigen Zukunftsvision der Science-Fiction hat die Verwendung des Begriffes in der Gegenwart nur wenig gemein.
Ich habe mich in meinen verschiedenen Erzählungen immer wieder mit dem Thema auseinandergesetzt (Vorsicht SPOILER! Wer bei noch nicht alles von mir gelesen hat, überspringt am besten die Punkteliste):


  • Die Nefilim sind eine Zwischenform, ein Übergangsszenario: Ein menschlicher Geist, transferiert in einen robotischen Körper, um sich von dort weiterzuentwickeln (Musashi, Odin, Demi).
  • Aureol ist eine KI mit einem Programmierfehler, die den Weg wählt, einen biologischen, wenn auch durch Experimente synthetisch erschaffenen Körper zu benutzen.
  • Erebos ist eine Entität, deren Ursprung ungeklärt ist. Sein Übergang in das planetenumfassende Bewusstsein, das Floxas Wandel kontrolliert, fällt in die gleiche Kategorie.
  • Das Feuer in Kabal ist eine weiterentwickelte Daseinsform, die durch ein Nanitennetzwerk entstanden ist und als Quantenrechnersystem die Welt Kabal kontrolliert – der Ursprung der »Magie«, der sich Kabals Bewohner bedienen, obwohl sie den technologischen Ursprung vergessen haben.
  • In Aramos ist Sal Derwish ein Cyborg, dessen durch Kloning entstandene biologische Körperteile mit einem Cyberhirn kombiniert wurden, das ein synthetisches Bewusstsein beherbergt.
  • In der Kurzgeschichte »Der Kuleschow-Effekt« verliebt sich der Protagonist in eine Synthetikerin, eine versklavte Halion. Diese wurden als Arbeitsmaschinen erschaffen und versuchten, ihre Freiheit zu erkämpfen, scheiterten allerdings.
  • In der Kurzgeschichte »Sol« versucht eine KI, den Forscher, der an ihr arbeitet, in einer virtuellen Realität zu verführen, um der Isolation des Labors zu entkommen – ein Szenario, das sich in dieser Form zeitnah ereignen könnte.

(SPOILER ENDE)


Wer meine Geschichten liest, weiß, dass mich das Thema KI interessiert, doch dahinter steckt für mich eigentlich die Frage nach dem, was das Bewusstsein ausmacht. Eine Frage, die den Menschen ganz konkret seit Jahrtausenden betrifft: Unsere Wahrnehmung der Welt, unser Handeln, unsere Erklärungen und Absichten sind allesamt begründet in der spezifischen Form und Gestalt unseres Bewusstseins, sowohl als Spezies, als auch als Individuum.

Die Forschung, die eine KI erschaffen will, ist auch eine Suche nach dem, was den Menschen ausmacht: sein Bewusstsein.

Man weiß inzwischen, dass das Bewusstsein kein absoluter Zustand ist. Es entsteht in graduellen Abstufungen und ist bereits bei Tieren vorhanden, nur eben in unterschiedlicher Ausprägung – eine Frage des Mehr oder Weniger.
Das wirft die Frage auf, wie das Bewusstsein des Einzelnen zu verstehen ist. Könnte es vielleicht sogar sein, dass der Mensch innerhalb seiner eigenen Spezies so eklatante Unterschiede aufweist, dass der Blick mehr auf das Individuum, als auf die Spezies gerichtet werden muss? Ist »Bewusstsein« eine rein körperliche Funktion, die den »Geist« hervorbringt oder ist es der »Geist«, der das Bewusstsein »aktiviert«? Die epigenetischen Einflüsse auf die Aktivierung von Genen selbst bei Erwachsenen und die Erkenntnisse bezüglich vererbbarer Erinnerungen, die in den letzten Jahren ein neues Bild der Biologie und damit des Bewusstseins entstehen lassen, werfen spannende Fragen auf. Umso mehr wir über das Bewusstsein erfahren, umso mehr wir seine Existenzmöglichkeiten durch technologische Mittel erweitern, desto mehr erfahren wir über uns selbst und das Universum, in dem wir existieren.

Die Reise des Menschen in eine neue Welt hat erst begonnen!

Nicht zuletzt deswegen hatte ich mich schon beim ersten Manuskriptentwurf von Nefilim KI dazu entschieden, den Protagonisten das große Universum aus seiner begrenzten Sicht, also im Ich-Erzähler zu beschreiben. Iasons Blickwinkel ist subjektiv, eingeschränkt und er erfasst selten, was genau alles um ihn herum passiert – so ähnlich, wie es uns allen ergeht.
Im Laufe der Handlung entwickelt sich Iasons Bewusstsein, und auch die Erzählperspektive passt sich dieser Evolution an, indem andere Handlungsorte eingeführt werden, die den Blick erweitern, manchmal sogar über Raum und Zeit hinweg bis zu Tiara S. Spyridon, Iasons Nachfahrin und ihren Kampf gegen das Vergessen der Menschen und anderen Wesen auf Kabal.

Für 2018 werde ich meine persönliche Reise in fremde Welten fortsetzen. Ich will mich weiterhin mit der Frage beschäftigen, was das Bewusstsein ist, wie es auf seine Umwelt reagiert, welche Ereignisse es verändern, erweitern. Das klingt trocken, ist für mich aber der Anlass, spannungsgeladene SF&F-Abenteuer zu schreiben! Nur dort, wo der Mensch (oder ein anderes Wesen) an seine Grenze geht, kann er diese überschreiten und Transzendenz erfahren, was schlussendlich auch immer eine Erweiterung des Bewusstseins ist.

Blake O’Bannon und ich werden übrigens unsere Kooperation fortsetzen, wie es sich so viele von euch gewünscht haben. Wir sind mit Leitstern noch nicht fertig! Die Crew der Elaios wird noch manch ein Abenteuer zu bestehen haben.

Ich wünsche euch allen alles Gute bei der Fortsetzung eurer Reisen in fremde Welten!

Euer Cahal Armstrong

6 Kommentare

  1. Ein gesundes und kreatives Jahr 2018 , vielen herzlichen Dank für spannende Stunden mit den Nefilim und auch der Elaios. Viele liebe Grüße Frank Schwick

  2. Hallo Cahal,
    Wünsche dir ein tolles neues Jahr mit viel Inspiration und Fantasie!
    Auf dass du mich und deine anderen Fans mit weiteren Abenteuern dem Alltag entreissen kannst!
    Vielen Dank für alles Vergangene und in grosser Vorfreude auf das Kommende:
    Lenny

  3. Alles gute für 2018 und danke das du mich imme wieder aus dieser Welt entrückst sobald ich das Pad Aufschlage weiterhin viel Erfolg,Glück und Gesundheit.

    Mit lieben Grüßen aus Hessen
    Dogan-Deniz Sahin

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